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Palliativ-Netzwerk bietet Kindertrauerbegleitung an
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Vertreterinnen des Palliativ-Netzwerks und Bürgermeister Kravanja vor dem Rathaus
Einleitungstext

Trauer zulassen und Trauer leben – das ist nicht nur für Erwachsene nach dem Verlust eines geliebten Menschen wichtig, sondern auch speziell für Kinder. Das Palliativ-Netzwerk wird deswegen mit Unterstützung des Bürgermeisters ein solches Angebot für trauernde Kinder und Jugendliche nun auch in Castrop-Rauxel einrichten. 

Fortsetzungstext

Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, deren nahe Angehörige am Lebensende stehen können in Castrop-Rauxel ab sofort eine professionelle Trauerbegleitung in Anspruch nehmen. Diese Begleitung gilt über den Tod des Angehörigen hinaus und ist für die Trauernden kostenfrei. Die ersten Trauerbegleitungen haben bereits stattgefunden. Die Stadt Castrop-Rauxel unterstützt dasProjekt. Erarbeitet wurde das Konzept
von der Arbeitsgruppe „Junge Familien“ des Palliativ-Netzwerkes. Die AG nimmt über die Gratis-Hotline des Netzwerkes unter 0800 9009191 täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr Anfragen entgegennehmen und koordiniert den Kontakt.

Professionelle Unterstützung für ein Herzensanliegen

„Das Thema Kindertrauerbegleitung ist uns ein Herzensanliegen“, sagt Rajko Kravanja, Bürgermeister der Stadt Castrop-Rauxel. Er sei sehr froh, durch das Palliativnetzwerk Unterstützung und Entlastung bei familiären Hilfefällen zu erhalten. Kravanja: „Dank der sehr guten Kooperation können wir auf fachlich versierte Ansprechpersonen zurückgreifen, die die Notfälle gut beurteilen können, sich ihrer professionell annehmen und auf diese Weise auch uns unterstützen.“ Derzeit finanziere sich die Hilfe über Spenden, doch „das kann nie genug sein“, so Kravanja: „Hier muss über eine Refinanzierung nachgedacht werden.“

Kinder trauern „auf Raten“

Grundsätzlich reagiert jedes Kind auf ganz individuelle Weise auf das Sterben eines Elternteils, Geschwisterkindes oder einer nahestehenden Bezugsperson. Gemeinsam ist fast allen Kindern, dass ihre Trauer keine kontinuierliche ist, wie man sie von Erwachsenen kennt. Kinder trauern „auf Raten“, um sich vor einer Überforderung zu schützen. „Diese Art des Trauerns ist Erwachsenen oft fremd und sie verstehen die Kinder nicht immer. Kindertrauer kann sich ganz unterschiedlich äußern. Sie kann beispielweise durch Weinen, Abwehr, Protest, stille Trauer, Unauffälligkeit oder Überangepasstheit ihren Ausdruck finden. Andere Kinder machen viel Quatsch, blödeln herum oder verhalten sich so, als sei nichts geschehen. Vielfach versuchen sie auch, erwachsene Familienmitglieder zu schützen, die mit ihrem eigenen Trauerprozess beschäftigt sind,“ sagt Nina Vogel, Koordinatorin Ambulanter Hospizdienst beim Caritasverband für die Stadt Castrop-Rauxel und Mitglied der Arbeitsgruppe „Junge Familien“ des Palliativ-Netzwerkes.

Belastete Familien entlasten

Eine qualifizierte Kindertrauerbegleitung in Einzel- oder Gruppensitzungen hilft ihnen dabei, ihren ganz persönlichen Weg der Trauer zu finden und zu gehen. Dazu benötigen sie Bezugspersonen, die ihnen das Trauern zutrauen. Positive Erinnerungen zu schaffen ist dabei von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Familien. „Ziel der Begleitung ist es auch, belastete Familiensysteme zu entlasten. Deshalb werden Eltern bewusst in den Prozess integriert,“ betont Heidi Skrzypczak, Koordinatorin beim Palliativärztlichen Konsiliardienst (PKD) und Mitglied der AG „Junge Familie“. Das Vermitteln wesentlicher Informationen an die Eltern schützt vor unbedachten Worten und Heimlichkeiten. Das Vertrauen der Kinder in ihre Bezugspersonen wird gestärkt.

Ein Netzwerk professioneller Trauerbegleiterinnen

Die Begleitung der Kinder und Jugendlichen selbst liegt in den Händen professioneller Trauerbegleiterinnen. Dazu zählen u.a. die Teams von Martina Hosse-Dolega (Trauerbegleitung Vergissmeinnicht) aus Castrop-Rauxel und Mechthild Schroeter-Rupieper (Lavia e.V.) aus Gelsenkirchen. Zusätzliche ausgebildete Kooperationspartner*innen werden das Netz erweitern.

Weiterer Baustein gemäß der „Charta zur Betreuung Sterbender“

Durch die Kindertrauerbegleitung entstehen den Teilnehmenden keine Kosten. Diese trägt das Palliativ-Netzwerk aus Eigenmitteln und Spenden. Das Angebot der Kindertrauerarbeit ist ein weiterer Baustein der „Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen in Deutschland“, die im November 2019 aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des PalliativNetzwerkes von den Städten Castrop-Rauxel und Herne gemeinschaftlich unterzeichnet wurde.

Karin Leutbecher, Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst Herne und Vorsitzende des Palliativ-Netzwerkes: „Wir haben uns verpflichtet, zusammen für die Verbesserung der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen, ihrer Familien und der ihnen nahestehenden Menschen einzutreten. Unser Ziel ist es, als Netzwerk in Castrop-Rauxel bekannter zu werden und die Stadt als aktiven Netzwerkpartner zu gewinnen. Ohne Corona wären wir damit bestimmt schon weiter.“

Weitere Informationen: www.palliativ-netzwerk.de