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Stille Einweihung der Gedenkstätte „10 + 1 Bäume für die Opfer rassistischen Terrors“
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Symbolischer Spatenstich am Mahnmal im Goldschmieding-Park
Einleitungstext

Für eine offene, tolerante, multikulturelle (Stadt-)Gesellschaft, in der Menschenverachtung, Rassismus und Terror keinen Platz haben – dafür stehen nun 10 + 1 junge Blutpflaumen-Bäume auf einer Freifläche im Goldschmieding-Park. Am Sonntag, 21. März, weihten Integrationsratsvorsitzende Aysel Cetin und Integrationsratsmitglied Fotis Matentzoglou gemeinsam mit Bürgermeister Rajko Kravanja das Mahnmal mit einem symbolischen Spatenstich ein.

Fortsetzungstext

Die 10 +1 frisch gepflanzten, rotlaubigen Zierpflaumen erinnern an die zehn durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) Ermordeten und alle Menschen, die in jüngerer Vergangenheit durch rassistische Angriffe zu Tode gekommen sind. Damit greift der Integrationsrat unter Leitung von Aysel Cetin und Marietta Omidi in Castrop-Rauxel als einer der ersten Städte mit einem einstimmigen Ratsbeschluss aus der Politik und in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die Initiative des Landesintegrationsrates zur Pflanzung von Bäumen „für die Opfer rechter Gewalt“ auf. 

Bürgermeister Rajko Kravanja: "Wir sind 75.000 Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler"

Mit einem besonderen Dank für dieses Engagement begleitete Bürgermeister Rajko Kravanja die Einweihung mit einer Rede: „Dieser symbolhafte Ort erinnert uns daran, dass wir als Gesellschaft nicht wegschauen dürfen, wenn es um Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit geht. Es beginnt mit Alltagsrassismus – zum Beispiel beim schnellen Teilen vermeintlich lustiger Bilder und -Sprüche auf dem Smartphone. Wir müssen aus dieser Fehlerkultur lernen, damit nie wieder eine Organisation wie der NSU oder Einzeltäter Menschen aus unserer Mitte ermorden!“ Und mit einem Blick auf das breite lokale Engagement betont der Bürgermeister: „In unserer Stadt leben 113 Nationalitäten und alle gemeinsam sind wir 75.000 Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler.“

Einweihungsrede von Integrationsratsmitglied Fotis Matentzoglou

Laut nannte Fotis Matentzoglou anschließend die Namen der zehn NSU-Opfer und ging auf die Symbolik der Gedenkstelle ein: „Der elfte Baum in diesem Kreis steht für all diejenigen Menschen, die in Hoyerswerda, in Lichtenhagen, in Solingen, in Halle, in Hanau und anderswo in Deutschland bei rassistischen Übergriffen ihr Leben verloren.“ Um für eine Zukunft ohne derartigen Hass und Diskriminierung zu werben, soll das Mahnmal mit Leben gefüllt werden: „Wir möchten allen Menschen der Stadt einen Ort für eine lebendige Erinnerungskultur geben, an dem eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ein Blick in die Zukunft möglich sind. Dafür können wir uns hier an Ort und Stelle Bildungsveranstaltungen, Zeitzeugengespräche oder auch Aktionen mit dem KiJuPa vorstellen.“

Auch die stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates, Marietta Omidi, Integrationsratsmitglied Furkan Kilic, der Leiter des für die Anpflanzungen verantwortlichen Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen Klaus Breuer, Timo Eismann als Vorstandsmitglied des Kinder- und Jugendparlaments, Integrationsbeauftragte Ayla Dalkilinc sowie Frank Trzeziak von der Stabsstelle Bildung, Vielfalt und Teilhabe begleiteten die stille Einweihung. Im Anschluss an die Reden gedachten alle Teilnehmenden mit einer Schweigeminute inmitten der zaghaft blühenden Bäume und umgeben von leisen Vogelstimmen, in die sich das Krächzen einer einzelnen Krähe mischte, den Menschen, die ihr Leben nicht in Frieden und Freiheit leben konnten. 

Ausblick

Unter der professionellen Pflege des Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen werden sich die elf Baumwipfel der kreisrunden Anpflanzung in fünf bis zehn Jahren zu einer gemeinsamen Krone vereinen, die etwa drei bis vier Wochen im Frühling in zartrosa Blüte stehen wird. Zusammen mit einer noch aufzustellenden Gedenktafel mit den Namen der zehn NSU-Opfer, über die in der kommenden Sitzung des Integrationsrates entschieden werden soll, symbolisieren die Bäume so die Einigkeit im Engagement für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Alle Informationen gibt es auch auf der Internetseite des Landesintegrationsrates