Bis voraussichtlich Herbst 2027 wird der Fluss auf einer Länge von vier Kilometern naturnah umgestaltet. Rund vier Millionen Euro investiert die Emschergenossenschaft in diese Maßnahme.

„Seit der Fertigstellung der unterirdischen Kanäle Ende 2021 ist die Emscher vollständig abwasserfrei. Diese Abwasserfreiheit ermöglicht in unserer Stadt den nächsten Schritt: den ökologischen Umbau des technisch stark überformten Flusses, der zurzeit noch kerzengerade fließt. Die Emscher wird in den kommenden Monaten ein völlig neues Gesicht erhalten und zu einer weiteren Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität an der Emscher führen“, sagt Rajko Kravanja, Bürgermeister von Castrop-Rauxel.

„Vom einst dreckigsten Fluss Europas zu einer blaugrünen Naturidylle: Die nächste Etappe der Emscher-Renaturierung bringt uns unserem großen Ziel, die grünste Industrieregion der Welt zu werden, wieder ein Stück näher“, sagt Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Emscher-Kommune Herne.

Geprägt durch enge Wohnbebauung

Der Projektabschnitt erstreckt sich über rund vier Kilometer durch die Stadteile Ickern, Habinghorst und Henrichenburg. „Dieser Bereich der Emscher ist geprägt durch eine starke Bebauung, die keine Möglichkeiten für eine Aufweitung der Emscher bietet. Anders als im Natur- und Wasser-Erlebnis-Park kann die Emscher hier aufgrund der angrenzenden Wohngebiete nicht verlegt werden – die Umbaumaßnahmen erfolgen daher innerhalb der Gewässertrasse“, sagt Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft.

Im Zuge der Revitalisierung der Emscher bringt die Emschergenossenschaft Kies- und Sandmaterial in das Gewässer ein, um die Sohle zu strukturieren und neue Lebensräume zu schaffen. Was zunächst unspektakulär klingen mag, ist enorm wichtig: Ein natürlicher Fluss besteht nicht aus einer glatten Sohle aus Wasserbausteinen, sondern besitzt unterschiedliche Tiefen, kleine Rinnen und flache Bereiche. „Genau diese Strukturen stellen wir in der Emscher wieder her. Dadurch entstehen Lebensräume für Fische, Insektenlarven und Wasserpflanzen“, sagt Obenaus weiter.

Ein zentrales Element des Gewässerumbaus sind im Zusammenhang mit der Verbesserung der Sohle der Einbau von sogenannten Lenkbuhnen. Hierbei handelt es sich um kleine Bauwerke aus Holz, Naturstein oder Kies, die unterhalb der Wasseroberfläche angeordnet werden. Sie lenken die Strömung, sorgen für langsam und schneller fließende Bereiche und verhindern gleichzeitig, dass sich das Gewässer unkontrolliert eintieft. Für die Fauna in der Emscher entstehen dadurch unterschiedliche Lebensräume – ähnlich wie in einem natürlichen Bach.

Kies- und Sanddepot für die Flussentwicklung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das „Geschiebedepot“: In einem natürlichen Fluss wird Material wie Kies und Sand permanent transportiert und umgelagert. Die Emscher besitzt aufgrund ihrer jahrzehntelangen Nutzung als offener Schmutzwasserlauf kaum noch naturnahe Strukturen. Daher richtet die Emschergenossenschaft in einem bestimmten Abschnitt gezielt Bereiche ein, in denen Kies als Vorrat – also als „Depot“ – eingebracht wird. Die Strömung kann dieses Material später selbstständig aufnehmen und im weiteren Verlauf des Gewässers verteilen. Auf diese Weise kann sich die Emscher künftig wieder selbst entwickeln.

Für die Bauarbeiten nutzt die Emschergenossenschaft überwiegend die bestehenden Bermen. Dabei handelt es sich um die befahrbaren Bereiche innerhalb der Emscher-Böschungen. Der Baustellenverkehr findet daher fast ausschließlich im Emscher-Profil statt – Wohnstraßen werden nicht belastet. Gegen Ende der Baumaßnahme werden einzelne Teile der Berme zurückgebaut, sodass neue Auenbereiche entstehen können. „Das Erscheinungsbild der Emscher wird sich hier grundlegend verändern. Flora, Fauna und Menschen werden von einer naturnäheren, ökologisch wertvolleren Emscher profitieren, die zudem auch einen verbesserten Hochwasserschutz bietet“, sagt Liana Weismüller, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit bei der Emschergenossenschaft.

Emscher-Weg für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen zeitweise gesperrt

Der Betriebsweg der Emschergenossenschaft, der als Emscher-Weg für den Rad- und Fußgängerverkehr freigegeben ist, muss während der Bauarbeiten zeitweise gesperrt werden. „Diese Sperrungen erfolgen abschnittsweise und mit Umleitungen. Da die Arbeiten in mehreren Bauabschnitten erfolgen, sind die Belastungen zeitlich begrenzt. Das Sahnehäubchen für die neue Erlebbarkeit der renaturierten Emscher folgt nach dem Abschluss unserer wasserbaulichen Arbeiten: Der Betriebsweg wird endgültig ausgebaut und künftig mit seiner Asphaltierung einen deutlich verbesserten Fahrkomfort bieten“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Emscher in Ickern